Die Pionierinnen – Frauenpower in der IT

Vor weniger als einem Jahrhundert wurde es in Deutschland zum ersten Mal einer Frau gestattet, in Mathematik zu habilitieren. Auch heute noch haben es Frauen in der „reinen und angewandten Mathematik“, wie die Informatik früher hieß, schwer.

Emmy Amalia Noether (1882-1935) musste länger als eine Dekade kämpfen, um Professorin werden zu können. Ihre Arbeiten revolutionierten Algebra und Physik, beides Wissenschaftszweige, die für die Entwicklung unserer heutigen Computer wesentlich sind. Ihr Lehrsatz, das nach ihr benannte Noether-Theorem, wurde zum elementaren Bestandteil der theoretischen Physik. Mit ihm lässt sich die analytische Lösbarkeit mechanischer Problemstellungen mit einer einzigen – übrigens leicht programmierbaren – Formel berechnen.

Frauen als Mütter der Computertechnik

Für die Entwicklung der heutigen Kommunikationstechnik hat eine weitere Frau Außerordentliches geleistet. Die aus Österreich stammende Hollywoodschauspielerin Hedy Lamarr (1914-2000) war dennoch hauptsächlich für ihre atemberaubende Schönheit bekannt. Hedwig Eva Maria Kiesler, wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, erfand zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren. Die 1941 patentierte Technologie sollte zur Fernsteuerung von Torpedos eingesetzt werden. Heute sorgt sie dafür, dass unsere Mobiltelefone auf der gleichen Frequenz senden und empfangen können, ohne dass sich die Gespräche überschneiden. Erst drei Jahre vor ihrem Tod wurde Hedy Lamarr schließlich mit zwei Auszeichnungen für ihre Erfindung geehrt und erhielt den Electronic Frontier Foundation (EFF) Pioneer Award und den BULBIE™ Gnass Spirit of Achievement Award, auch der „Oscar der Erfinder“ genannt.

Lord Byrons Tochter

Hedy Lamarr war nicht die einzige Frau von Bedeutung für die Entwicklung der Computertechnik. Bereits im 19. Jahrhundert tüftelte Ada Lovelace (1815-1852), die Tochter des berühmten Poeten Lord Byron, einen Algorithmus aus, der später als das erste Computerprogramm der Welt in die Geschichte eingehen sollte. Nach dieser weltweit ersten Programmiererin wurde die Programmiersprache Ada und die Lovelace-Medaille benannt, eine Auszeichnung, die seit 1998 von der British Computer Society an Informatik-Wissenschaftler oder andere Personen, welche die Informationstechnik verständlich dargestellt haben, verliehen wird. Es fällt auf, dass dieser nach einer Frau benannte Preis bislang erst an nur eine Frau, aber an sechzehn Männer verliehen wurde. „Computing ist zu wichtig, um es in den Händen der Männer zu lassen“, meinte die Informatikerin und Professorin Karen Spärck Jones. Der britischen Wissenschaftlerin war ihre Arbeit für die Informatik so wichtig, dass sie trotz einer schweren Krebserkrankung noch bis wenige Wochen vor ihrem Tod im Jahr 2007 arbeitete. Kurz vor ihrem Tod erhielt sie den  ACL Lifetime Achievement Award.

Die Erbinnen der Computerpionierinnen

Trotz dieser imposanten Biographien von Frauen in der IT-Technik bleibt ihr Anteil in der Industrie erschreckend gering. Bereits in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrtausends machte Grace M. Hopper (1906 – 1992) ihren Geschlechtsgenossinnen Mut. Hopper war gleich mehrfach eine Pionierin. Sie war Marineoffizier für die USA und entwickelte fast nebenbei die Computersprache Cobol, womit sie den Grundstein für die elektronischen Datenbanken legte.

Selbst beim Branchenführer Microsoft, der immerhin mit Satya Nadella einen Chairman hat, der auf das Karma achtet, liegt der Frauenanteil nur bei unter einem Drittel der Angestellten. In Deutschland sind gar nur magere 15 Prozent der fest angestellten Arbeitnehmer in der IT-Branche weiblich. Nur vier Prozent der Führungskräfte sind Frauen. Tatsächlich existieren seit Jahren zahlreiche Fördermaßnahmen und IT-Netzwerke, die speziell für Frauen eingerichtet wurden. Die nach der Pionierin Ada Lovelace benannte Ada-Intiative wurde 2011 gegründet und setzt sich für Frauen im Bereich Open Technology ein. Diese Initiative sammelt unter anderem Spenden, um z. B. Software-Entwicklerinnen im Kampf gegen Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu unterstützen. In Ländern wie Indien, dem Land mit dem höchstenhttp://www.math.uni-goettingen.de/historisches/noether.html Frauenanteil in der IT-Branche, kann sexuelle Unterdrückung die jungen, aufstrebenden Entwicklerinnen nachhaltig behindern.

Powerfrauen der IT-Branche

Noch immer werden selbst Top-Kräfte wie die frühere Google- und jetzige Yahoo-Chefin Marissa Mayer in der Presse mit Hinblick auf ihre angeblich biologischen weiblichen Eigenschaften beurteilt. Meg Whitman, die zunächst bei Ebay und jetzt bei Hewlett Packard zur Führungsspitze gehört, schaffte es in der IT-Branche gar zur Milliardärin. Auf der Forbes-Liste der erfolgreichsten Frauen, auf der sich ansonsten überwiegend Politikerinnen befinden, hat sie einen imposanten Platz 20 erreicht. Überholt wird Whitman lediglich von einer anderen Powerfrau aus der IT-Branche, Sheryl Sandberg auf Platz 9 der Forbes-Liste. Sandberg, die beim sozialen Netzwerk Facebook erfolgreich die Geschäfte führt, engagiert sich für die Gleichberechtigung im Berufsleben und hat zudem mit einer frühen Hochzeit und Kindern traditionelle Lebensführung und erfolgreiche Karriere kombiniert.

In Deutschland hat sich die Deutsche Telekom als erstes DAX-Unternehmen dazu entschlossen, geballte Frauenpower für die Weiterentwicklung der Informationstechnologie zu mobilisieren. Dreißig Prozent Frauenanteil in der Führungsspitze sind das Ziel. Damit setzt der Branchenführer in der Kommunikationstechnologie auf die Fachkräfte, die in den Anfangsjahren der Technik bestimmend waren. Einer weiblichen Karriere in der IT-Branche steht, wenn sich der Trend bestätigt, in Zukunft nichts mehr im Wege.

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