Expertenmeinung: Smart bis ins Innerste?

Gareth Kershaw

13/06/2019

In dieser Serie von „Expertenmeinungen” nehmen wir die wichtigsten Prognosen von Lenovo zur Technologie für 2019 unter die Lupe. Unsere 1. Prognose ist, dass intelligente Geräte vermutlich noch intelligenter werden und schon bald „menschliche Kernbedürfnisse” erfüllen können. Oder, wie Sylvain Ansart, Technical Architect bei Lenovo, im Gespräch mit Gareth Kershaw sagt, dass Innovationen den Alltag erobern werden – und zwar Innovationen, die tatsächlich funktionieren …

Sylvain

Gareth Kershaw:
Gianfranco Lanci, COO bei Lenovo, hat in den letzten Monaten viel über „intelligente” Geräte gesprochen, vor allem darüber, wie sie immer intelligenter werden und ihren Zweck immer besser erfüllen. Wann und wie wird das Ihrer Meinung nach geschehen?

Sylvain Ansart:
Das geschieht schon jetzt, und zwar immer mehr. Es geht bereits weit über PCs hinaus, bis hin zu Geräten, die den Menschen den Arbeitstag vereinfachen, die Meetings, an denen sie teilnehmen, ihr Leben. Technologien wie SmartHub und Smart Display von Lenovo oder auch AR-Brillen sind bereits im Handel.

 

Das Lenovo Smart Display verbindet sich mit den Google Services , das Lenovo Smart Dock für das Lenovo Smart Tab verbindet sich mit Alexa. Beide verstehen, was Sie sagen. Sie können also zum Beispiel fragen, wie man Pfannkuchen zubereitet, und sich dann sofort eine Anleitung anhören und ansehen.

Es wird in Zukunft noch viel mehr derartige Technologien und KI in Lenovo Geräten geben.

 

GK: Wo werden wir das Ihrer Meinung nach sehen?

SA:
Wir weiten das derzeit von der Hardware auf die Software aus. Wir dürfen uns nicht einfach zurücklehnen und auf unseren Lorbeeren ausruhen. Intelligente „Geräte” sind nicht genug. Wir möchten die Grenzen des Möglichen immer mehr erweitern und  immer intelligentere Geräte entwickeln, die für sehr fachgebundene, spezifische Anforderungen geeignet sind.

Letztendlich geht es darum, dass wir nicht als reiner Hardwarehersteller, sondern als Lösungsanbieter wahrgenommen werden wollen. Lösung ist hier das Schlüsselwort. Inhalte sind ebenfalls sehr wichtig, und wir möchten unseren Anteil daran, wir möchten nicht nur die „Handwerkerarbeiten” erledigen.

 

GK: Fachgebundene, spezifische Anforderungen? Sie meinen die unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Typen von Endbenutzern und Unternehmen?

SA:
Ganz genau. Google Assistant ist ein hervorragendes Beispiel. Privatkunden sind begeistert davon, aber die meisten Geschäftskunden sind noch nicht ganz bereit dafür.

Sie sind verständlicherweise vorsichtig, was die Installation vollständig „offener” Geräte betrifft, Geräte, die „alles” mithören. Aus naheliegenden Gründen möchten die Entscheidungsträger nicht das Gefühl haben, dass ihr Unternehmen ständig „abgehört” und überwacht wird.

Lenovo hat einen Hardwareschalter eingeführt, der Mikrofon und Kamera an solchen Geräten deaktiviert. Das meinen wir, wenn wir von Innovationen aller Art sprechen: Maßnahmen, die von Nutzern und Sicherheitsbeauftragten gleichermaßen begrüßt werden.

Es wird zweifellos große Unterschiede zwischen dem geben, was die Nutzer sich wünschen, und dem, was Unternehmen bereit sind zu installieren. Während jüngere Nutzer diese Technologien vermutlich verlangen werden (mit denen sie ja aufgewachsen sind), werden ihre Unternehmen auf Nummer sicher gehen wollen, bevor sie sich auf etwas festlegen.

 

GK: Es geht also nicht so sehr darum, dass Geräte auf jede erdenkliche Art intelligenter werden, sondern vor allem darum, verschiedene Personen auf unterschiedliche und spezifische Weise zu entlasten?

SA:
Genau. Wir wollen Menschen monotone Aufgaben abnehmen, und das häufig auf die einfachste Art. Das Installieren von Software geht beispielsweise mit KI so viel schneller, einfacher usw.

Wir können Buchhaltern helfen, Rechnungen in Excel einzufügen.

Sofortige Autokorrektur für Texter. Und nicht nur für Tippfehler, sondern auch für Struktur und Sinn dessen, was sie schreiben.

Gesichtserkennung galt vor ein paar Jahren noch als praktisch unmöglich und wird jetzt zu einer ernst zu nehmenden Mainstream-Technologie.

Mit Big Data könnte die Betriebswirtschaft zu einer „echten”, exakteren Wissenschaft werden.

AR (erweiterte Realität) könnte auch bald ein großes Thema werden, ebenso wie intelligentere Geräte, die immer nützlicher und effizienter werden. Außerdem arbeiten wir an klappbaren Geräten, leichteren Geräten und Superhochleistungsgeräten.

Technik hilft sogar auf Gebieten wie Selbstwertgefühl und Erfolgserlebnis.

Dahinter stehen viele unglaubliche Technologien, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.

 

GK: Es dreht sich also alles darum, intelligenter, schneller und einfacher zu arbeiten?

SA:
Unsere Ungeduld treibt uns voran. Wir möchten einfach nicht mehr warten. Besonders jüngere Menschen wollen alles sofort haben: Ergebnisse, die Internetverbindung, die Erfüllung ihrer Wünsche.

Sehen Sie sich die intelligenten Spiegel an, die die Menschen mit Inhalten versorgen, während sie sich morgens fertig machen. So gesehen ist es fast, als hätte Maslows Bedürfnispyramide eine neue Ebene erhalten.

Viele unserer intelligenten Technologien gehen in diese Richtung. Sie nehmen den Nutzern nicht nur einfache Aufgaben ab, sondern unterstützen sie auch in anderen wichtigen Bereichen wie der Entscheidungsfindung. Wir werden Maschinen schon bald Fragen stellen können und umgehend Antworten erhalten, die Menschen nicht oder erst nach einer sehr langwierigen Recherche geben könnten.

 

GK: Ist das die Verkörperung von Lenovos Philosophie der „Alltagsinnovation”?

SA:
Es geht darum, Innovation „real” und nützlich zu gestalten. Das kann durch kleine Erweiterungen und Verbesserungen geschehen, die viele Nutzer vielleicht nicht einmal bemerken, die ihnen aber trotzdem bei der Erledigung ihrer Alltagsaufgaben helfen und besser und schneller zu Ergebnissen führen. Kleine Dinge, die einfach nur ihren Job machen, damit Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren können.

 

GK: Aber diese Geräteevolution hat doch sicher auch Nachteile? Mehr Sicherheitsbedenken beispielsweise? Wie können Unternehmen das in den Griff bekommen?

SA:
Natürlich ziehen neue Technologien und Funktionen auch neue Bedrohungen nach sich. Unternehmen müssen das richtige Gleichgewicht zwischen Risiko und Nutzen finden. Einerseits benötigen sie Daten aus allen möglichen Quellen, andererseits müssen sie sich schützen. Das ist eine Gratwanderung.

Daher rührt auch die vorsichtige Haltung von Unternehmen gegenüber Technologien wie Google Assistant und Alexa. Diese Vorsicht ist verständlich. Wir kennen und verstehen noch nicht alle Bedrohungen, deshalb müssen wir uns mit ihnen vertraut machen.

Die Entscheidungsträger in Unternehmen müssen sich aber auch unbedingt über neue Möglichkeiten informieren, über die Vorteile und Chancen, die aufkommende Technologien bieten können. Dabei möchten wir ihnen mit den Lenovo Innovation Centers und ähnlichen Maßnahmen helfen, wo Kunden Lösungen testen, ausprobieren und kennenlernen können, bevor sie eine Entscheidung treffen.

Unsere Welt ist kompliziert und niemand kann sein Unternehmen über Nacht modernisieren. Alltagsinnovationen können und werden uns jedoch helfen – dabei, unser Leben Schritt für Schritt einfacher zu machen und die laufenden Veränderungen so schnell, reibungslos und nutzbringend wie möglich zu gestalten.

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Was Unternehmen im 21. Jahrhundert wissen müssen