Hat die Bürogestaltung Einfluss auf unsere Stimmung?

Gina Jones

16/01/2018

Es wird geschätzt, dass wir im Laufe unseres Lebens etwa 60.000 Stunden arbeiten. Das sind etwa 30 Prozent unseres Lebens, die wir im Büro verbringen. Somit liegt es nahe, dass ein gut gestalteter Arbeitsplatz einen großen Einfluss auf unsere Stimmung haben kann.*

Fast die Hälfte aller Beschäftigten (48 Prozent) glaubt laut What Workers Want 2016, dass das Büro positive Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit hat. Nur sehr wenige Beschäftigte dürfen jedoch bei der Gestaltung mitentscheiden. Vor diesem Hintergrund sehen wir uns an, wie Arbeitgeber die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter maximieren und ein positives Arbeitsumfeld schaffen können.

Offene und geschlossene Bereiche

Obwohl sie in den meisten Unternehmen zum Einsatz kommen, werden Großraumbüros bei den Beschäftigten immer unbeliebter. Nur 45 Prozent der Beschäftigten gab an, mit dem Geräuschpegel im Büro zufrieden zu sein. 71 Prozent gab an, dass sie Wert auf einen ruhigen Arbeitsplatz legen, um sich optimal konzentrieren zu können.

Großraumbüros sollen die Zusammenarbeit fördern. Neue Forschungen haben jedoch gezeigt, dass der Zugang zu einem privaten Raum für die Innovationsförderung ebenfalls von entscheidender Bedeutung ist. Die UK Workplace Survey 2016 von Gensler ergab, dass innovative Teammitglieder fünfmal häufiger Zugang zu einem privaten Raum haben. Wenig innovative Beschäftigte verbringen hingegen 86 Prozent ihrer Zeit an ihrem Schreibtisch.

Sinnvolle Einrichtung

Wellnessprogramme für Mitarbeiter sind heute alltäglich. Der nächste große Schritt sind intelligente Arbeitsplätze, die das Wohlbefinden des Mitarbeiters berücksichtigen. Insbesondere höhenverstellbare Tische wurden in den letzten Jahren immer beliebter. Viele Arbeitgeber haben diesen von den Mitarbeitern positiv betrachteten Trend jedoch noch nicht umgesetzt. 20 Prozent der männlichen Befragten in der What Workers Want-Umfrage gaben an, dass sie ständig oder sehr häufig ein Stehpult nutzen würden, wenn ein solches angeboten würde.

Vermeiden Sie weiße Flächen

Es wurde viel über die Psychologie der Farbe geforscht – vor allem über ihre möglichen Auswirkungen auf unsere Stimmungen. Eine Studie der University of Texas hat die Auswirkungen von Farbschemata in Büroumgebungen untersucht. Sie ergab, dass Mitarbeiter in einer rein weißen Büroumgebung eine schlechtere Stimmung hatten als diejenigen in blauen/grünen Räumen. Trotzdem fand die Studie keinen Zusammenhang zwischen Stimmung und Produktivität der Mitarbeiter. Die Wahl einer Farbe für eine bessere Stimmung führt also nicht unbedingt zu produktiveren Mitarbeitern. Es lässt sich aber zumindest das Gefühl der Mitarbeiter für ihre Arbeitsumgebung beeinflussen.

„Ein einheitlich perfektes Raumklima für verschiedene Menschen zu schaffen, ist möglicherweise unmöglich. Alternativ könnten Innenräume mit maximaler Flexibilität gestaltet werden. So können innerhalb eines Raums Variationen für die unterschiedlichen Mitarbeiter geschaffen werden“, schrieb die Autorin des Berichts, Dr. Nancy Kwallek.

Natur in Innenräumen

Die neue Ausrichtung auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz hat dazu geführt, dass ein „biophiles“ Design Einzug gehalten hat – Räume, die Elemente aus der Natur integrieren. Untersuchungen haben ergeben, dass Büros mit Pflanzen und Sonnenlicht die Produktivität um bis zu 6 Prozent und die Kreativität um 15 Prozent steigern. Wir verbringen sehr viel Zeit in geschlossenen Räumen. Daher kann Natur am Arbeitsplatz die Stimmung der Mitarbeiter verbessern.

Es gibt Grenzen dazu, wie viel Kontrolle die Mitarbeiter bei der Gestaltung ihres Arbeitsplatzes erhalten sollten. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Bürogestaltung einen klaren Einfluss darauf hat, wie viele gute Mitarbeiter gewonnen und gehalten werden können. 25 Prozent der Arbeitnehmer geben an, dass sie bereit wären, zusätzliche 30 Minuten zu pendeln, um in ihrem perfekten Büro arbeiten zu können.

Durch die Umsetzung der Änderungen in Büroumgebungen, die sich die Arbeitnehmer wünschen, können Arbeitgeber die Moral steigern und fähige Mitarbeiter anziehen.

*Basierend auf Zahlen aus den USA mit 40 Bürostunden pro Woche über 30 Jahre, minus zwei Wochen Urlaub pro Jahr.

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