Effizientere Arbeitsplätze durch flexible Arbeit

Joe Svetlik

27/10/2017

Wenn Beschäftigte mehr Freiheit und Flexibilität bekommen, sind sie zufriedener, produktiver und dem Unternehmen stärker verbunden.

Flexible Arbeit ist zurzeit ein angesagtes Thema. Immer mehr Unternehmen setzen auf eine flexible Arbeitskultur in der Hoffnung, den Erfolg der Vorreiter flexibler Arbeitsformen wie Google und Facebook nachahmen zu können. Zwar folgen nicht alle diesem Trend – als z. B. Marissa Mayer neuer CEO von Yahoo wurde, verbannte sie die Heimarbeit.

Flexible Arbeit: Freund oder Feind?

Doch nach Einschätzung von Graham Thomas, Senior Technologist bei Lenovo, ist flexible Arbeit bei vielen Unternehmen dennoch ein Thema.

„Auch wenn sich manche Unternehmen dagegen entscheiden, könnte es für Ihre Firma trotzdem gut sein“, sagt Thomas. „Die Beschäftigten wollen sowohl produktiv arbeiten als auch Zeit für die Familie haben und Unternehmen suchen nach Wegen, beides zu ermöglichen. Für viele ist dies der logische nächste Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance.“

Studien zeigen laut Thomas, dass gerade geringer verdienende Arbeitnehmer proportional am meisten für ihren Weg zur Arbeit zahlen müssen, was tiefe Einschnitte in ihrem letztlich verfügbaren Einkommen verursacht: „Angesichts der steigenden Lebenshaltungs- und Transportkosten ist flexible Arbeit absolut sinnvoll, solange sie gut organisiert und sicher eingesetzt wird.“

Die Idee hat sich durchgesetzt. Laut PGi empfinden 73 % der Beschäftigten in EMEA flexible Arbeit als „positiv und weitgehend akzeptabel“. Insbesondere in Europa sind flexible Arbeitsformen auf dem Vormarsch.

Die Vorzüge der Flexibilität

Flexible Arbeit bietet viele Vorteile, sowohl für die Beschäftigten als auch für das Unternehmen.

„Manche Firmen können während der Sommerferienzeit ganze Gebäude schließen“, erläutert Thomas. „Wenn so viele Mitarbeiter in Urlaub sind, ist es oft sinnvoll, alle Dagebliebenen an einem Ort zu versammeln. Dadurch spart das Unternehmen Energiekosten und verbessert zugleich die interne Kommunikation. Da alle im selben Gebäude arbeiten, können sie sich leichter treffen und miteinander austauschen.“

Einige Unternehmen ändern den Zuschnitt und die Gestaltung ihrer Büroräumlichkeiten, um eine agilere Arbeitsumgebung zu schaffen. Viele Mitarbeiter fühlen sich wohler, wenn sie sich als kleine Gruppe in einem Gemeinschaftsbereich statt in einem voll ausgestatteten Konferenzraum treffen. Und wenn Mitarbeiter nur noch zu Teamsitzungen und Meetings zur Arbeit kommen, brauchen sie dann überhaupt noch herkömmliche Schreibtische und Büroutensilien?

Beschäftigte werden zudem produktiver, da sie ohne zeitraubende Anfahrt zum Unternehmen früher mit der Arbeit beginnen können. Aber auch wenn sie pendeln, können sie oft schon auf dem Weg ins Büro arbeiten – viele Verwaltungsaufgaben sind dann schon erledigt, wenn sie an ihrem Schreibtisch Platz nehmen. Und da sie mehr Zeit zuhause bei ihrer Familie verbringen, verbessert sich zugleich ihre Work-Life-Balance. Das Ergebnis? Zufriedenere Mitarbeiter, die dem Unternehmen eher treu bleiben.

Es gibt sogar Unternehmen, die einen Schritt weitergehen und Work-Life-Blending als Arbeitsmodell implementieren.

Agile Unternehmenskultur schaffen

Doch Vorsicht: Flexible Arbeitsformen lassen sich nicht über Nacht einführen. Ansonsten werden womöglich Arbeitsabläufe gestört und Mitarbeiter vermissen Anweisungen, was sie tun sollen.

„Sehr viel hängt von der vorherrschenden Kultur im Unternehmen ab“, warnt Thomas. „In einer Kultur, in der Arbeitnehmern gleich ein Stundenlohn abgezogen wird, wenn sie 15 Minuten zu spät kommen, können Sie nicht plötzlich Heimarbeit einführen. Man kann Menschen nicht zuerst wie unmündige Kinder behandeln und dann erwarten, dass sie gleich von selbst das Richtige tun.“

„Manchmal spielt auch der Standort eine Rolle. Ein großes Telekommunikationsunternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten, lässt dies nur in bestimmten Regionen zu, da in manchen Teilen des Vereinigten Königreichs – und der Welt – eine andere Arbeitskultur herrscht.“

Entscheidend ist die Vorbereitung, die sämtliche Bereiche des Unternehmens berührt. „Sie müssen mit dem Gebäudemanagement, der Personalabteilung, Vorgesetzten und den Mitarbeitern selbst sprechen“, erklärt Thomas. „Das ist keine alleinige Entscheidung der IT.“

Beziehen Sie die Beschäftigen in einen Dialog ein. Erklären Sie ihnen genau, wie das Modell funktioniert, welche Vorteile es für sie und für das Unternehmen bringt, und – ganz wichtig – was von ihnen erwartet wird.

„Genau das hat eine Polizeieinheit in Wales getan“, berichtet Thomas. „Sie haben eine schriftliche Vereinbarung aufgesetzt – nicht wirklich rechtsverbindlich, sondern eher ein Gentlemen’s Agreement. Darin ist festgehalten, welches Vertrauen sie in ihre Beschäftigten setzen und wie die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Privatleben dadurch gefördert wird. Andererseits wird explizit klargestellt, dass die Regelung jederzeit rückgängig gemacht werden kann und die Mitarbeiter dann wieder täglich im Büro erscheinen müssen. So wird ein Anreiz angeboten, aber auch die Konsequenz bei Fehlverhalten deutlich gemacht.“

Flexible Arbeitsformen bieten enorme Chancen für Unternehmen und Mitarbeiter. „Es ist einfach eine produktivere Arbeitsweise“, stellt Thomas fest. „Beide Seiten profitieren davon, aber das Potenzial Ihrer Belegschaft wird erheblich besser ausgeschöpft.“

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