Steht das Ende der Verwaltung bevor?

Darren Baguley

15/09/2017

Die heutige Wirtschaft ist geprägt von dynamischem Informationsaustausch, von Kreativität und unkonventionellem Denken. Einhergehend mit den fortwährenden Veränderungen des Arbeitsplatzes durch die Automatisierung werden diese Eigenschaften immer wichtiger. Aber können sie in den aktuellen Verwaltungsstrukturen wirksam freigesetzt werden?

Die moderne Verwaltung wurde mit der industriellen Revolution eingeführt. Als sich die Fabrikbesitzer vor mehr als 200 Jahren mit der Organisation einer hohen Anzahl an Arbeitskräften auseinandersetzen mussten, haben sie auf die Kommandostrukturen von Armeen und Marineeinheiten zurückgegriffen. Daran hat sich seit dem nicht viel geändert. Einige Unternehmen bemühen sich zwar, um flache Hierarchien und setzen Matrixstrukturen ein, um die Strukturen aufzulockern, doch ist das herkömmliche Top-Down-Management weiter vorherrschend.

Organisatorischer Stillstand

Diese Strukturen waren den Unternehmen über lange Zeit nützlich, nun besteht jedoch Änderungsbedarf. Etablierte Unternehmen sind häufig schwerfällig – sie kommen bei aktuellen Trends kaum hinterher und ein tatsächlicher Wandel erfolgt nur aufgrund von Krisen. Manager, gerade jene in den oberen Führungsebenen, verbringen traditionell sehr viel Zeit damit, sicherzustellen, dass die Regeln eingehalten werden. Regeln, Prozesse und Verfahren sind zwar gerade in großen Unternehmen sinnvoll, jedoch werden Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Innovation und das Engagement der Mitarbeiter durch Top-Down-Autorität im Keim erstickt.

Während organisatorische Schwerfälligkeit für viele etablierte Unternehmen zum Verhängnis wird – selten wird eine Branche von einem branchenführenden Unternehmen wachgerüttelt – beschleunigt sich der Wandel in der voll vernetzten, wettbewerbsintensiven Welt von heute immer mehr. Roboter und Automatisierung werden viele Jobs überflüssig machen, sodass dieser Trend weiter an Tempo gewinnt und der Bedarf an Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Innovation dringlich wird.

Abbau von Bürokratie zu deren Rettung

Wie können Unternehmen nun einen beweglicheren und wegweisenden Geschäftsansatz entwickeln, um zukünftig mithalten zu können? Der Vordenker und Autor Gary Hamel ist der Meinung, dass Unternehmen erst dazu bereit sein müssen, Dinge zu „verlernen“, um sich neu erfinden zu können. Hierzu sollten Unternehmen daran arbeiten, „die Vorteile der Bürokratie – Kontrolle, Beständigkeit und Vorhersagbarkeit – zu ernten und im selben Zug zu zerstören. Bürokratie wird den Anforderungen des 21. Jahrhunderts – seien diese strukturell oder ideologisch bedingt – nicht mehr gerecht“.

Eine Architektur für Innovation

Wenn Unternehmen tatsächlich einen Umbau vornehmen möchten anstatt nur an einigen Baustellen zu werkeln, wie es in den vergangenen 50 Jahren der Fall war, müssen sie „die Architektur und Ideologie der modernen Verwaltung eingehen prüfen“ und die Fassade der Bürokratie regelrecht demontieren. Dabei muss die Idee der Verwaltung hinterfragt – richtiggehend infrage gestellt werden. Es sollte nicht bei einem Lippenbekenntnis bleiben. Unternehmen müssen all ihre Aufmerksamkeit darauf richten, das bewährte Verfahren nicht zu einem Korsett für die Innovation werden. Anstatt nur Mitwirkungsmöglichkeiten in Erwägung zu ziehen, muss die Führungsautorität effektiv auf die Struktur des gesamten Unternehmens übertragen werden.

Dies mag eine große Herausforderung sein, jedoch sollte immer berücksichtigt werden, dass die Bürokratie zu dem Zweck entwickelt wurde, eine große Anzahl von Menschen über Zeit und Entfernung hinweg aufeinander abzustimmen. Wenn wir zu derartigen Erfindungen in der Lage sind, können wir auch entsprechende Alternativen umsetzen.

Der Management-Pionier Peter Drucker bringt es wie folgt auf den Punkt: „Wenn Führungskräfte das Gestern nicht abstreifen, nicht loslassen können, werden sie keinen Einfluss auf die Gestaltung des Morgen haben“.

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